Klausurtagung 2019 in Wangen im Allgäu - Wohnbaukonzept

Rede anlässlich der Vorstellung des Wohnbaukonzepts für Brackenheim von der Firma Reschl durch Herrn WalterHerr Walter, Sie ziehen  

Rede anlässlich der Vorstellung des Wohnbaukonzepts für Brackenheim von der Firma Reschl durch Herrn Walter

Herr Walter, Sie ziehen, so habe ich es bei einer Einführung der Gemeinderäte von den Grünen erfahren, Land auf Land ab mit dem selben Konzepte durchs Land und  schlagen allen Kommunen das Gleiche vor. Die Ausführungen sind etwas verschoben, aber die Flächenausweisungen für Bauland sind enorm.

Sie betonen bei Kritik immer, dass Sie nur Vorschläge machen und wir als Gemeinderat entscheiden dürfen.

Als ich in der „Wohnbausitzung“ Ihrem Vortrag folgte geriet mein Blut in Wallungen und ich musste mich zwingen nicht aufzustehen.

Herr Walter, sie berichteten, dass sie sich die Stadt mit Ihren Stadtteilen angeschaut hätten und haben dann noch Flächen von 38 Hektar gefunden, die man bebauen könnte. Nach welchen Kriterien schauen Sie Flächen an, handelt es sich um Wüsten und Sandgebiete oder nehmen sie als Kriterium die Bodenpunkte, die eine Aussage darüber machen, ob es sich um fruchtbaren Boden oder weniger fruchtbaren Boden handelt.

Wissen wir als Gemeinderätinnen und Gemeinderäte etwas über diese Bodenpunkte in den neu geplanten Baugebieten?

Interessiert es denn überhaupt jemanden?

Herr Walter mich interessiert so etwas, 38 Hektar Bauland heißt, nachdem was sie mir vorgestellt haben, 38 Hektar Ackerland, auf dem bisher blühende Landschaften und Fruchtfolgen, Lebensmittel für die Brackenheimer Bevölkerung wachsen lassen.

Ich habe mich in den letzten Tagen auf den Weg gemacht in Brackenheim symbolisch für diese 38 Hektar Lebensmittel von Kolleginnen und Kollegen einzusammeln und kann euch heute einen bunten Strauß präsentieren.

Ihr seht hier 38 Mittelchen die wir zum Leben brauchen. Die uns mit Vitaminen, Mineralstoffen, Energie und Kraft ausstatten, um unser Leben zu gestalten und zu genießen.

Wichtig hierbei, ich habe den Weinbau vernachlässigt, denn diese Flächen sind noch sicher.

Symbolisch habe ich auch 2 Schmetterlinge mitgebracht, denn auch für das Leben unserer Insekten sind diese Ackerflächen ein wichtiger Lebensraum.

Und werden nicht gerade in letzter Zeit die Stimmen laut die Insektenparadiese zu schützen?

Ist uns als Gemeinderat bewusst, dass 2 Hektar der ausgewiesenen Fläche schon seit Jahrzehnten Biologisch Bewirtschaftet werden?

Ist uns bewusst, dass ein kleiner Teil Streuobstwiesen dabei sind? 

Aber wir können ja im Gegenzug dann Ökopunkte sammeln indem wir neue Streuobstwiesen anlegen.

Bei meinen Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen kam von Dank bis zur tiefsten Hoffnungslosigkeit, vor allem eine Frage auf:  bringt das ganze denn noch etwas?

Deshalb fragen wir uns als Fraktion, in welchen Zusammenhängen werden wir als Stadträte hier nochmals zu entscheiden haben?

Oder ist die resignierte Haltung der landwirtschaftlichen Kolleginnen und Kollegen begründet?

Eine weiter Frage von uns ist, warum bringen wir Bebauungspläne von 38 Hektar bis 2035 auf den Weg, wenn im Mitteilungsblatt zu lesen ist, dass bis 2035 "nur" 16,5 Hektar zusätzlich zu den vorhandenen Baulücken im Innenbereiche notwendig sind?

Außerdem ist uns völlig unklar, warum diese Ausweisungen bis 2035 heute schon erfolgen sollen.

Die jetzigen Flächen vom Schulzentrum 3 und die 5 ha Krankenhaus stellen eine gute Ausgangslage dar.

Wenn wir alle Flächen ausweisen, wird auch der Druck auf die Besitzer von, ich nenne es mal, Spekulationsflächen genommen und wir bekommen die uns am Herzen liegende Nachverdichtung nicht hin.

Auch die angespannte Konjunktur veranlassen uns den 7 Baugebieten nicht zuzustimmen, da es jederzeit auch hier zu neuen Möglichkeiten kommen kann, Wohnraum in Leerständen zu generieren.

Wir fordern 2024 eine Überprüfung der Prognose von Herrn Walter, damit eventuell ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden kann.

Ich stimme Edgar Übelhör zu, wenn er sagt, wenn wir Veränderung wollen, dann müssen wir Mut beweisen:

Für mich heißt dies den Mut zu haben, für unsere Kinder und Kindeskinder und deren Kinder eine Stadt zu erhalten,

- in der man noch die Möglichkeit hat seine Lebensmittel wachsen zu sehen,

- in der man Vorort angebaute Lebensmittel einkaufen kann,

-  in der Menschen, den Beruf Landwirtin bzw. Landwirt erlernen können und danach ihren Lebensunterhalt davon bestreiten.

Ich möchte nicht, dass das Konzept des Stadtparkes, über das wir gestern geredet haben, zum Konzept des Freilichtmuseums Brackenheim wird unter dem Motto „Landwirtschaft – wie Oma und Opa Lebensmittel selbst erzeugten.“

In diesem Sinne soll ich Sie bzw. Euch alle auch von den Familien Danner, Grötzinger,  Heininger, Herrmann, Hönnige , Hofmann, Kohler, Kühner, Schmoll, Sigloch, Stengel, Wein, Winkler Roland und Jürgen grüßen.  Wissen Sie eigentlich, dass hinter diesen Familiennamen sich jeweils mindestens zwei, oft aber auch drei Generationen und Ihre Mitarbeiter verbergen, die alle von der Arbeit in der Landwirtschaft leben. 

Ich bin dankbar, dass Sie mir ein Teil Ihrer Produkte anvertraut haben.

Ich habe mit Ihnen ausgemacht, dass wir die frischen Lebensmittel hier auf der Klausurtagung in einer Pause zur Stärkung vernaschen dürfen und die anderen an die Stadtverwaltung gehen damit diese Anregungen und Inspirationen für die Geschenkkörbe der Stadt erhält.

Ich (Gabriele Winkler) danke euch für Eure Aufmerksamkeit.